3. September 2022: Nachmittagsausflug nach Mettenheim

Mettenheim war das Ziel des diesjährigen Nachmittagsausflugs des Heimat- und Kulturvereins Ober-Flörsheim. Vor dem Rathaus der Gemeinde begrüßte Hans-Jürgen Winter die Ober-Flörsheimer Gäste und zeigte ihnen zunächst den historischen Ratssaal, der heute vom Musikverein genutzt wird. In der evangelischen Kirche stießen die Grafenloge der Reichsgrafen von Wartenberg ebenso auf Bewunderung wie die Stummorgel sowie die unter der Kirche befindliche Gruft der einstigen Ortsherren. Während des weiteren Ortsrundgangs wurde deutlich, dass noch viele Elemente des 1793 zerstörten Schlosses von den Einwohnern als Baumaterial verwendet wurden. Im zweiten Teil des Rundgangs gab Lothar Schäfer eine Führung über den alten Friedhof, wobei er auf zahlreiche verschiedene Symbole und Stilelemente hinwies, die auf den Grabmälern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu finden sind. Abschließend bedankte sich Helmut Schmahl im Namen der Anwesenden bei den Führern und überreichte ein Weinpräsent. Noch lange saßen die Teilnehmer in gemütlicher Runde zusammen.

Fotos: Svenja Germann, Steffen Neef und Helmut Schmahl

23. August 2022: Vortrag anlässlich des 100. Todestags von Sebastian Walter

„Es war seine Leidenschaft, verzweifelten und armen Menschen zu helfen“. Eine solche Würdigung dürften nicht allzu viele Industrielle in Nachrufen sozialistisch orientierter Zeitungen erfahren. Dem Fabrikanten Sebastian Walter wurde diese Ehre jedoch im amerikanischen Arbeitertagblatt „Milwaukee Leader“ zuteil. Vor genau 100 Jahren, am 23. August 1922, verstarb der Pionier des amerikanischen Emaillierhandwerks in Milwaukee. Aus diesem Anlass erinnerte der Heimat- und Kulturverein im Rahmen eines Vortragsabends an den einst prominenten und großzügigen „reichen Onkel aus Amerika“, für den ein Ober-Flörsheimer kürzlich – in Anspielung auf einen aus Alzey stammenden Milliardär und Wohltäter seiner Heimatstadt – die recht treffende Bezeichnung „de Flerschemer Kipp“ prägte.

Untermalt durch zahlreiche Abbildungen zeichnete Dr. Helmut Schmahl das Leben Sebastian Walters nach. 1866 wanderte der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Siebzehnjährige zu Verwandten nach Milwaukee im US-Staat Wisconsin aus. Dem ehrgeizigen und geschickten Spenglergesellen bot die aufstrebende Industriestadt am Michigansee ein reiches Betätigungsfeld. Nach verschiedenen beruflichen Stationen war Walter seit 1880 für die Kieckhefer Brothers Company tätig, die Geschirr und andere Dinge aus Eisenblech herstellte. Bald wurde er Teilhaber des Unternehmens, das aufgrund seiner Mechanisierung rasch expandierte und 1890 knapp 1000 Beschäftigte hatte. Die Produktion von Emaillegeschirr erwies sich als besonders lukrativ angesichts der großen Nachfrage unter der durch Einwanderung rasch wachsenden Bevölkerung der USA. 1899 ging der Betrieb im weltgrößten eisenblechverarbeitenden Konzern auf. Walter, mittlerweile Millionär, zog sich daraufhin weitgehend aus dem Geschäftsleben zurück. Sein Interesse galt nun der Lokalpolitik. Er war über ein Jahrzehnt Mitglied des Stadtrats und als solcher mit Aufgaben wie der Überwachung der zahlreichen Saloons der Stadt, der Schulverwaltung sowie der Vorbereitung der Besuche des preußischen Prinzen Heinrich und des US-Präsidenten Theodore Roosevelt im Jahr 1902 betraut. Weiterhin unternahm Walter mit seiner Ehefrau Henrietta, Tochter sächsischer Einwanderer, mehrere Europareisen, auf denen das kinderlose Ehepaar auch Station in Ober-Flörsheim machte.

1901 weihte Sebastian Walter vor dem Rathaus seiner Heimatgemeinde ein von ihm gestiftete Denkmal für die Veteranen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 ein. In seiner Ansprache legte er dar, der Gedanke, dass er vielleicht selbst auf französischen Schlachtfeldern begraben sein könne, habe ihn bewogen, „dieses Denkmal den Kriegern, seinen Jugendkameraden, zur Ehre und der ganzen Gemeinde aus Liebe zu stiften“. Am Sockel des bis heute ortsbildprägenden Denkmals befindet sich eine Tafel, die an den Stifter erinnert. Bei einem weiteren Besuch 1910 vermachte Walter unter dem Namen „Sebastian-Walter-Stiftung“ der Gemeinde ein Kapital von 10.000 Mark. Der größte Teil – jährlich 100 Mark – war der Krankenschwesternstation des Dorfes zugedacht. Bis zu 70 Mark sollten für die Unterstützung hilfsbedürftiger Kinder der „Kleinkinderschule“ verwendet werden. Weitere Beträge waren u. a. für Hilfsbedürftige, die Anschaffung von Schulbüchern, die Unterhaltung des Denkmals sowie für die Verteilung von Brezeln an die Schuljugend am Geburtstag des Stifters vorgesehen. Zum Dank ernannte die Gemeinde Walter zum Ehrenbürger.

Bei einem weiteren Deutschlandbesuch 1914 wurden die Eheleute Walter vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs überrascht. Nur mit Mühe gelang ihnen die Rückreise in die USA. Sebastian Walters letzte Lebensjahre waren von Krankheit gezeichnet. Am 23. August 1922 verstarb er im Alter von 74 Jahren. Seine Witwe überlebte ihn 20 Jahre. Ihr stattliches Grabmal auf dem Forest Home Friedhof gilt als eines der künstlerisch wertvollsten in ganz Milwaukee. Dem Historiker Brian Fette zufolge wurde es von dem aus Weinolsheim eingewanderten Bildhauer Charles Lohr geschaffen. Fette sorgte auch für einen Gruß aus Milwaukee der besonderen Art. Wenige Stunden vor der Veranstaltung erhielt der Vortragende ein Foto, das am gleichen Tag an Walters Grab aufgenommen wurde. Es zeigt Angehörige der Friedhofsverwaltung, die – wie einst in Ober-Flörsheim Sitte – mit Brezeln in der Hand an den Wohltäter erinnerten. Im Anschluss an den Vortrag präsentierte eine Anwesende eine alte Brosche, in die eine Goldmünze eingearbeitet war. Das Geldstück hatte ihre Großmutter von Walter geschenkt bekommen, als sie anlässlich eines Besuchs ein Gedicht aufsagte.

Sebastian Walters Stiftung wurde durch die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg wertlos und geriet in Vergessenheit. Heute erinnern noch das Denkmal vor dem Rathaus, der Straßenname Walterplatz, sein Geburtshaus im Saurechgässchen sowie einige Ausstellungsstücke im Heimatmuseum an den Deutschamerikaner, der trotz seines Erfolges in der amerikanischen Großstadt Milwaukee seinem Heimatdorf und dessen Bewohnern stets verbunden blieb.

Digitalisierung der Schrift „Das Ober-Flörsheimer Kriegerdenkmal und sein deutsch-amerikanischer Stifter Sebastian Walter“ (2001)
https://archive.org/details/helmut-schmahl-kriegerdenkmal-ober-floersheim-stifter-sebastian-walter-2001/mode/2up

A short biography of Sebastian Walter (in English) can be found on the website of the Max Kade Institute for German American Studies, University of Wisconsin, Madison
https://mkifriends.org/wp-content/uploads/2019/12/MKI_Winter-2018-2019_Newsletter.pdf

HuK erinnert an den 100. Todestag von Sebastian Walter

In diesen Tagen jährt sich zum 100. Mal der Todestag des deutschamerikanischen Industriellen Sebastian Walter. Der Sohn armer Eltern hatte das Spenglerhandwerk erlernt und wanderte 1866 von Ober-Flörsheim nach Milwaukee/USA aus. Walter nutzte die Chancen, die ihm die junge und aufstrebende Industriestadt am Michigansee bot und machte Karriere. 1900 zog sich der Mitbesitzer der damals größten Blech- und Emaillegeschirrfabrik der Welt aus dem Berufsleben zurück und widmete sich künftig der Lokalpolitik und wohltätigen Zwecken. Walter erwies sich als großer Gönner seiner rheinhessischen Heimatgemeinde, die er mehrmals besuchte. 1901 stiftete er das Denkmal vor dem Rathaus und errichtete 1910 eine Stiftung, die dem Kindergarten, der Schwesternstation und bedürftigen Dorfbewohnern zugutekam. Die dankbare Gemeinde ernannte den Wohltäter daraufhin zum Ehrenbürger, der Platz vor dem Rathaus trägt seitdem seinen Namen. Der Heimat- und Kulturverein erinnert an Walters Todestag, Dienstag, 23. August um 19 Uhr im Blüchercafé an den Auswanderer. In einem bebilderten Vortrag berichtet Dr. Helmut Schmahl u.a. über den kürzlich geknüpften Kontakt mit dem Historiker Brian Fette in Milwaukee, der ebenfalls die Erinnerung an Sebastian Walter in seiner Wahlheimat bewahren möchte. Alle Interessierten sind hierzu und dem anschließenden gemütlichen Beisammensein eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Sebastian Walter um 1900 Bild im Heimatmuseum Ober-Flörsheim

26. März 2022: HuK beteiligt sich am Stabausfest in der Kindertagesstätte

Die ev. Kindertagesstätte „Am rufenden Hahn“ begrüßte am 26. März den Frühling traditionell mit dem Stabausfest. Mit diesem alten südwestdeutschen Brauch wird vielerorts zu Frühlingsbeginn der Winter „verbrannt“. Wie alljährlich spendete der Heimat- und Kulturverein hierzu für jedes Kind eine leckere Brezel. Bei schönstem Sonnenschein unternahmen die Kinder mit Erziehern, Eltern und Geschwistern einen Spaziergang durch die Kommenturei, um mit Frühlingsliedern und einem „Stabaus-Feuer“ den Winter auszutreiben. Die Kita-Kinder hatten sich schon länger auf dieses Fest vorbereitet und ihre Stabaus-Stöcke mit bunten Bändern geschmückt. Außerdem hatten sie kleine Schneemänner aus Papier gebastelt, die unter Mithilfe der Feuerwehr den Flammen übergeben wurden.

Text: Elvira Nies, Foto: Nicole Tonkowski

22. Oktober 2021: Heimat- und Kulturverein Ober-Flörsheim feiert 20-jähriges Jubiläum mit Nachtwächterwanderung

Anlässlich des 20. Jahrestags seiner Gründung veranstaltete der Heimat- und Kulturverein nach längerer Pause wieder eine seiner beliebten Nachtwächterwanderungen. Bei kaltem, aber trockenen Wetter begrüßten Nachtwächter Franz Dirigo (dargestellt von Dr. Helmut Schmahl) und sein Sohn Jean (Philipp Seidel) in historischen Kostümen rund 120 Besucher vor der Blücherhalle, unter ihnen Nachfahren des 1864 verstorbenen Nachtwächters, die aus Flonheim und Mannheim angereist waren. Die technische Leitung lag in den Händen von Steffen Neef, der überdies anlässlich des Vereinsjubiläums eine neue Beleuchtung für den Gedenkstein „1250 Jahre Ober-Flörsheim“ installiert hatte.

Auf ihrem Rundgang durch das Dorf begegneten der Nachtwächter und sein Sohn einer Reihe von Personen aus der Ortsgeschichte. Zunächst trafen sie den vor genau einem Jahrhundert verstorbenen Lehrer und Dorfchronisten Friedrich Reif (Carsten Dieterich) im Weingut Hahn in der Weyerstraße. Dort inspizierte dieser den 180 Jahre alten Grabstein des mennonitischen Gutsbesitzers Jakob Dahlem, der kurz zuvor beim Abbruch einer Mauer auf dem Betriebsgelände gefunden worden war. In der Hauptstraße kam ihnen Bürgermeister Johann Müller V. (dargestellt von seinem Nachfolger Sascha Leonhardt) entgegen. Er war gerade dabei, eine Liste der Gewerbetreibenden zu erstellen und wusste viel Interessantes über alte Handwerksberufe zu berichten. So hatte der Nagelschmied Jakob Heß vor 150 Jahren in der Webergasse seine Werkstatt. Das Feuer seines Blasebalgs wurde von einem Hund in einem Laufrad entfacht.

Chronologisch etwas unpräziser, jedoch umso amüsanter wurde der Rundgang, als die beiden Dirigos in der Kommenturei nach dem Rechten sahen. Dort trafen sie zunächst wieder Lehrer Reif, der gerade dabei war, im Schein einer Laterne eine rätselhafte Inschrift am Bürgerhaus zu entziffern. Plötzlich öffnete sich ein Fenster und kein Geringerer als der spätere preußische Generalfeldmarschall von Blücher (Dennis Neef), der 1794 hier als Oberst Quartier hatte, beschwerte sich energisch über die Ruhestörung. Er zeigte sich erst versöhnlich, als Bürgermeister Müller eine Flasche Wein präsentierte und ihn sowie die anderen zu einer Verkostung einlud. Auch die Nachbarin Katharina Damberger (Edeltrud Böhm) gesellte sich hinzu. Sie und Lehrer Reif erzählten anschaulich über die Geschichte der einst mit Mauern und Toren befestigten hiesigen Niederlassung des Deutschen Ordens. Anschließend lud Katharina die Teilnehmer ein, in ihrer Küche die Reste eines wohl spätmittelalterlichen unterirdischen Gangs zu besichtigen, der einst das Haus Nr. 3 mit der katholischen Kirche verband.

Auf dem Weg ins obere Dorf wurde kurz am ehemaligen Mennonitenfriedhof und in der Hubgasse Station gemacht, bevor der Nachtwächter und sein Sohn in der Kirschgartenstraße ein Rätsel lösten, das viele Ober-Flörsheimer schon lange bewegt hat – die Herkunft der Bezeichnung „Kratzegass“ für diese Straße. Sie ist auf Philipp und Margaretha Kratz zurückzuführen, die hier 1831 das erste Haus (Nr. 10) in der Nachbarschaft erbauten.

Die Führung endete vor der Blücherhalle. Der HuK-Vorsitzende Helmut Schmahl dankte allen Mitwirkenden und Helfern für ihr großes Engagement und lud die Teilnehmer ein, das Vereinsjubiläum mit Glühwein, Kinderpunsch und Gebäck zu feiern.

Mitgliederversammlung

Nach einer pandemiebedingten längeren Pause traf sich der Heimat- und Kulturverein in der Blücherhalle zu seiner Mitgliederversammlung für die Geschäftsjahre 2019 und 2020.

Nach dem Verlesen des Protokolls der letzten Versammlung, der Vorstellung des Kassenberichts sowie der Entlastung der bisherigen Funktionsträger erfolgte die satzungsgemäße Wahl verschiedener Vorstandsämter. Durch das einstimmige Votum der rund 30 Anwesenden wurden der bisherige zweite Vorsitzende Steffen Neef und die Schatzmeisterin Brigitte Rudy wieder gewählt.
Neu unter den acht Beisitzern sind Svenja Germann-Vering und Petra Kisgyörgy, deren Kandidatur ebenfalls wie die der bisherigen Amtsträger Dieter Blüm, Hans-Jürgen Fuldner, Karlfried Höbel, Sascha Leonhardt, Elvira Nies und Philipp Seidel die Zustimmung aller Anwesenden fand. Zugleich bedankte Schmahl sich bei dem früheren zweiten Vorsitzenden und Museumsleiter Hans-Jürgen Rudy und Beisitzer Dieter Clauß, die sich beide seit Gründung des Vereins vor 20 Jahren ohne Unterbrechung im Vorstand engagiert hatten und nicht mehr kandidierten.
Dank sprach Schmahl auch den weiteren Neugewählten für ihren Einsatz aus sowie allen weiteren Aktiven des Vereins. Hierbei hob er eine siebenköpfige Arbeitsgruppe des HuK hervor, die nach aufwendigen Forschungen unter der Leitung von Wilhelm Nies ein Gedenkbuch für die Ober-Flörsheimer Opfer der beiden Weltkriege zusammengestellt hatte. Der reich bebilderte Band fand seit seiner Erscheinung in diesem Jahr großes Interesse in der Öffentlichkeit.

Der 112 Mitglieder zählende Verein hofft, auch in Zukunft allen Interessierten ein abwechslungsreiches Programm anbieten zu können. Eine Nachtwächterwanderung ist für den 22. Oktober vorgesehen, weiterhin ist ein Kalender für 2022 in Arbeit.
Nähere Informationen sind zu gegebener Zeit unter Termine bzw. in der Presse zu finden.

Teilnahme am Weihnachtsmarkt / Ober-Flörsheimer Kalender für das Jahr 2019

Auch in diesem Jahr nimmt der Heimat- und Kulturverein mit einem Stand am Ober-Flörsheimer Weihnachtsmarkt teil. Der Weihnachtsmarkt findet am Samstag, den 1. Dezember 2018, ab 16.00 Uhr in der Kommenturei statt. Unter anderem kann hier der Ober-Flörsheimer Kalender 2019 käuflich erworben werden.