Exkursion des Heimat- und Kulturvereins Ober-Flörsheim nach Oppenheim am 6. Oktober 2007

Ein Bericht von Helmut Schmahl und fotografische Impressionen von Rudolf Maier

An einem sonnigen Herbsttag findet unsere Exkursion nach Oppenheim statt. Mit 45 Teilnehmern ist unser Bus fast ausgebucht. In Oppenheim steigen wir in der Nähe des Bahnhofs aus und wandern zunächst zum Marktplatz, wo wir vor der Kulisse des Rathauses einiges zur Geschichte der Stadt erfahren. Oppenheim war im Hochmittelalter durch seine staufische Reichsburg und die dort ansässigen Burgmannen bedeutsam. 1225 wurde die an der Kreuzung wichtiger Fernstraßen gelegene Siedlung zur freien Reichsstadt erhoben. Diesen Status verlor Oppenheim 1398, als es an die Kurpfalz gelangte. Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges wurde Oppenheim 1689 wie viele andere Orte in unserer Gegend von französischen Truppen zerstört und erst zwei Jahrzehnte später wieder aufgebaut.

Die Burgruine Landskron ist unsere erste Anlaufstelle. Von hier aus genießen wir einen herrlichen Blick auf die Stadt und die Rheinebene. Die ehemalige Reichsburg wurde erstmals 1244 urkundlich erwähnt und befand sich damals im Besitz der staufischen Kaiser. Nach der Zerstörung durch die Bürger Oppenheims wurde sie 1275 von Kaiser Rudolf von Habsburg wieder aufgebaut und gelangte hundert Jahre später als Pfand an Kurfürst Ruprecht von der Pfalz. Während der spanischen Besetzung Oppenheims im Dreißigjährigen Krieg brannte die Reichsburg 1621 aus. Der Bergfried wurde 1689 von den Franzosen gespringt. Heute befindet sich die Burgruine, die seit 1668 Landskron genannt wird, im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz. Sie dient heute als Freilichtkulisse für Theateraufführungen und Sommerkonzerte.

In zwei Gruppen werden wir nach unserer Rückkehr in die Innenstadt durch das spektakuläre Kellerlabyrinth unter der Altstadt geführt. Das weitverzweigte Kellersystem wurde erst vor wenigen Jahren wiederentdeckt und reicht bis zu fünf Stockwerke in die Tiefe. Rund ein Kilometer hiervon sind heute im Rahmen von Führungen begehbar. Im Mittelalter lagerte man dort Lebensmittel, Wein und Bier, wir verkosten zum Abschluß der eindrucksvollen Führung einen rassigen Riesling im Keller unter dem Rathaus.

Anschließend besichtigen wir die in prachtvoller Gotik errichtete Katharinenkirche, die nach einer kürzlichen Renovierung in altem Glanz erstrahlt. In diesem ehrwürdigen Gotteshaus, das nach den Zerstörungen von 1689 erst im 19. und frühen 20. Jahrhundert wieder vollständig aufgebaut wurde, bewundern wir die Glasfenster, die aus sieben Jahrhunderten stammen, die zahlreichen prachtvoll gestalteten Grabsteine von Adligen und Bürgern sowie die erst vor wenigen Jahren eingeweihte moderne Woehl-Orgel.

Hinter der Katharinenkirche befindet sich die gotische Michaelskapelle, die letzte Station unserer Besichtigungstour. Im Erdgeschoß des aus dem 15. Jahrhundert stammenden Baus befindet sich das Beinhaus. Als in früheren Jahrhunderten der Platz auf dem Friedhof nicht ausreichte, ließ man die älteren Gebeine der Verstorbenen ausgraben und in der Kapelle aufschichten. Wir werfen einen Blick auf die Gebeine unserer Altvorderen und wandern bergauf durch malerische Straßen und Gassen, vorbei am Geschlechterbrunnen, zum Burgrestaurant Landskron, wo wir zur Schlußrast einkehren. Um 19 Uhr fahren wir gutgelaunt und voller neuer Eindrücke nach Ober-Flörsheim zurück.

Gang durch die Altstadt Marktplatz Marktplatz Ruine Landskron
Ruine Landskron Ruine Landskron Ruine Landskron Blick von der Landskron auf die Katharinenkirche
Führung durch das Kellerlabyrinth Führung durch das Kellerlabyrinth Führung durch das Kellerlabyrinth Führung durch das Kellerlabyrinth
Katharinenkirche Katharinenkirche Katharinenkirche Katharinenkirche
 
Beinhaus Blick vom Ostturm der Katharinenkirche Die Landskron vom Ostturm der Katharinenkirche aus gesehen