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Tag des Offenen Denkmals in Ober-Flörsheim - Wenn Denkmäler reden könnten…
Über 500 Jahre war Ober-Flörsheim Sitz einer Niederlassung des Deutschen Ordens.
Hiervon kunden noch heute eine Reihe von Bauwerken in der Kommenturei. Den diesjährigen
deutschlandweiten Tag des Offenen Denkmals nahm der Heimat- und Kulturverein
Ober-Flörsheim daher zum Anlass, am Kerbesonntag über historische Gebäude in der
Gemeinde zu informieren.
Rund 200 Interessierte aus Nah und Fern nutzten das Angebot, eine Zeitreise in
die Vergangenheit zu unternehmen. Hierbei fanden insbesondere die Rundgänge durch
den spätgotischen Torturm sehr viel Aufmerksamkeit. Das Gebäude aus dem 15. Jahrhundert
wurde nach der Annektion durch Frankreich 1797 vom Staat eingezogen und gelangte
bei einer Versteigerung 1806 mit den übrigen Ober-Flörsheimer Ordensgütern in
Privatbesitz. Bis ins späte 19. Jahrhundert war der Turm bewohnt. Über eine
Holztreppe an der Westseite gelangte man ins Innere, bis dieser Zugang 1881 bei
der Erbauung eines direkt am Turm gelegenen Wohnhauses beseitigt wurde. Seitdem
ist der Turm nur durch das Haus Heeb erreichbar. Die Raumeinteilung im Turm
entspricht bis heute im großen und ganzem dem Zustand des 18. Jahrhunderts,
wovon sich die Besucher anhand einer detaillierten Beschreibung aus dem
Jahr 1773 überzeugen konnten.
Vom Turm waren es nur wenige Meter über den Kerbeplatz zum Heimatmuseum im
ehemaligen Herrenhaus der Kommenturei, das ebenfalls – wie immer an der Kerb - seine
Pforten geöffnet hatte. In diesem Jahr war überdies die evangelische Kirche zu
besichtigen. In dem neugotischen Gebäude, das 1887/88 von dem Münchener Architekten
Prof. Heinrich von Schmidt erbaut wurde, nutzten zahlreiche Gäste die Möglichkeit,
sich eine reich bebilderte, vom HuK zusammengetragene Ausstellung über die
Erbauungsgeschichte der Kirche und ihren seinerzeit berühmten Architekten anzusehen.
Für musikalische Intermezzi sorgte Eva Knell. Sie stellte eindrucksvoll die Klangfülle
der 1890 erbauten, kürzlich für 22.000 Euro renovierten Sauer-Orgel unter Beweis.
Ober-Flörsheim kann auf seine Architektur stolz sein – dieses Fazit zogen viele
Besucher, die nach ihrem Rundgang noch bei einem Glas Wein das stimmungsvolle Ambiente
des Kerbeplatzes in der Kommenturei genossen. H.S.
Wutz, Wilhelm, Wein und vieles mehr … 13.08.2011
Flomborn war das diesjährige Ziel der Nachmittagsexkursion des
Heimat- und Kulturvereins Ober-Flörsheim. Rund 30 Personen aus Ober-Flörsheim,
Flomborn und Worms trafen sich um 15:00 am Flomborner Rathaus, wo sie von
Dr. Edgar Hürkey begrüßt wurden. Kurzweilig und mit einer guten Prise Humor
wusste der Lokalhistoriker den Gästen aus der Nachbarschaft viel Interessantes
zu berichten.
Bereits vor 5000 Jahren lebten Menschen in der Flomborner Gemarkung, wovon
zahlreiche Grabfunde zeugen. Seit dem Mittelalter war das Dorf von einem Graben
umgeben. Das schmucke Rathaus aus dem Jahr 1765 zeugt bis heute von der
Religionspolitik der pfälzischen Kurfürsten. Sie ließen den wenigen Katholiken
des Dorfes im Erdgeschoss eine kleine Kapelle einrichten, die bis heute genutzt
wird. Die benachbarte Statue der kleinen Wutz auf der Dorfviehwaage erinnert an
eine List, mit der die Flomborner die hohe Schlachtviehabgabe der französischen
Besatzungsbehörden nach dem Zweiten Weltkrieg zu verringern wussten.
Beeindruckt zeigten sich die Besucher von den zahlreichen liebevoll durchgeführten
Maßnahmen zur Dorfverschönerung an der Weed und verschiedenen Brunnen sowie im
bepflanzten Dorfgraben, der "grünen Lunge" Flomborns.
Nach der Besichtigung der evangelischen Kirche stellte Dr. Hürkey das wohl
bekannteste Wahrzeichen Flomborns, das Kriegerdenkmal an der vielbefahrenen B271,
vor. Er berichtete, wie der spätere Kaiser Wilhelm I., dessen Büste das Monument
ziert, sich in der Revolution von 1848 in unserem Raum als "Kartätschenprinz"
viele Feinde machte und dieses negative Bild sich erst nach der Reichsgründung
von 1871 wandelte.
Auch die Weinkultur kam beim Dorfrundgang nicht zu kurz. Bei einer kurzen
Verkostung, zu der das Weingut Michel-Pfannebecker eingeladen hatte, erläuterte
Gerold Pfannebecker die Bedeutung der kalkhaltigen Böden, die zwar wenig Wasser,
dafür umso mehr Mineralien enthalten. Der Abschluss fand im Weingut Bernhard-Räder
statt, wo Bürgermeister Rainer Thomas über die gegenwärtige Entwicklung seiner
Gemeinde berichtete. Bei der anschließenden Führung durch Uta Bernhard-Räder
und Rüdiger Räder waren die Gäste von dem stattlichen Weingut, das teils auf
mittelalterlichen Burgmauern errichtet wurde, sehr angetan. Auch der parkähnliche
Bauerngarten, dem neuerdings auch der erste Bachblütengarten Rheinhessens
angegliedert ist, wurde bewundert. Nachdem der HuK-Vorsitzende Dr. Helmut Schmahl
Worte des Danks an Dr. Hürkey und alle anderen Mitwirkenden gerichtet hatte, saß
man in fröhlicher Runde an einem lauen Sommerabend noch lange im Hof des Weinguts
bei Weck, Worscht und Woi zusammen.
Bilder der Exkursion finden Sie hier.
Jubiläumsexkursion des HuK nach Marburg am 21.05.2011
Zwischen 1237 und der Französischen Revolution, also über ein halbes Jahrtausend,
existierte in Ober-Flörsheim eine Kommende (Niederlassung) des Deutschen Ordens, an die
noch heute die Kommenturei erinnert.
Dies nahm der Heimat- und Kulturverein zum Anlass für eine Exkursion nach Marburg,
dem einstigen Sitz der Ballei (Ordensbezirk) Hessen, der Ober-Flörsheim zugeordnet war.
Nach gut zweistündiger Fahrt und einer gemütlichen Rast bei Weck, Worscht und Woi
erreichten die Teilnehmer gut gelaunt und bei strahlendem Sonnenschein die idyllische
Universitätsstadt.
Ausgangspunkt der dortigen zweistündigen Stadtführung war die Elisabethkirche,
die seit 1235 vom Deutschen Orden über dem Grab der Heiligen Elisabeth von Thüringen
errichtet wurde. Das prächtige gotische Bauwerk enthält neben mittelalterlichen
sakralen Kunstwerken zahlreiche Gräber hessischer Landgrafen und Deutschordenskomturen,
die zum Teil in Ober-Flörsheim gewirkt hatten. Auch der 1934 verstorbene Reichspräsident
Paul von Hindenburg fand nach den Wirren des Zweiten Weltkrieg hier seine letzte Ruhestätte.
Von Interesse für die Gruppe war auch das benachbarte einstige Verwaltungsgebäude
des Deutschen Ordens im Renaissancestil. Nach einem Fußmarsch auf den Schlossberg erreichte m
an das Schloss der Landgrafen von Hessen, von wo sich ein herrlicher Blick über die Dächer
der vom Krieg weitgehend verschonten Fachwerkstadt bot. Im Anschluss nutzten die Besucher aus der
Deutschherrengemeinde die Möglichkeit zur weiteren eigenständigen Besichtigung der Altstadt
und gemütlichen Einkehr.
Die Rückkehr erfolgte um 16 Uhr. Exkursionsleiter Dr. Helmut Schmahl zeigte sich abschließend
erfreut darüber, dass der für die Mitglieder kostenlose Jubiläumsausflug aus Anlass
des 10jährigen Bestehens des HuK auf so gute Resonanz gestoßen war und drei
Teilnehmer – das Ehepaar Knobloch sowie Christina Gardt – in Marburg spontan ihren Beitritt zum
Heimat- und Kulturverein erklärten.
Bilder der Exkursion finden Sie hier.
Zwischen Hühnerscheer und Hasensteil: Gesprächsabend zum Thema "Flurnamen" am 14.4.2011
Scharrten Wildhühner einst in der Ober-Flörsheimer "Hühnerscherre"? Dies war nur eine der Fragen, die
während des diesjährigen Ober-Flörsheimer Gesprächsabends zur Sprache kamen. Mit Herrn Felix Zillien aus
Pfeddersheim hatte der Heimat- und Kulturverein einen exzellenten Kenner der Materie gewonnen, der über
das Ergebnis seiner Forschungen berichtete. Rund 150 Flurnamen gibt es in Ober-Flörsheim. Sie teilen
sich auf in Naturnamen, die Täler, Senken oder Gewässer bezeichnen, oder Kulturnamen, die auf eine
Prägung durch Menschen hinweisen, wie Straßen, Äcker oder Wiesen. Das Alter der Flurnamen ist schwer
bestimmbar. Viele reichen bis in das Mittelalter zurück. Ebenso lassen sich viele Bezeichnungen nur
schwer deuten, da sie bei Feldbereinigungen ins Hochdeutsche übersetzt und so oft entstellt wurden.
Dass Flurnamen sehr viel über die Geschichte und das frühere Aussehen unserer Gemarkung verraten,
machte Herr Zillien im Hauptteil seines Bildvortrags deutlich. Besonders zahlreich sind
Wegbezeichnungen vertreten. Der "Fischerweg" wurde von Fischern aus den Altrheingemeinden benutzt,
die ihr Fanggut zum Verkauf nach Ober-Flörsheim transportierten. Auf der "Holzstraße" wurde Holz
vom Donnersberg in Richtung Osten transportiert. Beim "Mölsheimer Schlittweg" und "Wormser Schlittweg"
handelte es sich um Wege, die oft nass waren und nur mit dem Pflugschlitten befahren werden konnten.
Der "Hasensteil" bezeichnete ein abgegrenztes herrschaftliches Wildgehege, das durch Steile
(Pfosten mit Schildern) gekennzeichnet wurde. Das Betreten war nur den Jagdbefugten gestattet.
Der Name "Am Bildstock" weist auf Heiligenstatuen hin, die früher in der Gemarkung aufgestellt wurden.
Der Name "Borment", der das jüngste Neubaugebiet Ober-Flörsheim bezeichnet, lässt sich nur schwer deutet.
Die mittelhochdeutsche Bezeichnung bezieht sich möglicherweise auf den oberen Teil eines Hügels, eine
andere Deutung wäre "karger Boden". Der "Katzenstein", wo der Lokalsage zufolge die kleinen Kinder
herkommen sollen, bezeichnet einen kleinen, senkrechten Stein, der zu Markierungszwecken diente.
Die Bezeichnung "Hühnerscherre" (mundartlich "Hinnerscheer") schließlich kann durchaus mit der Anwesenheit
von Nahrung suchendem Federvieh zu tun haben, möglich ist aber auch, dass der Begriff sich von der Scher
(Gabeldeichsel) eines Einspänners herleitet. Es handelte es sich somit vielleicht um einen abseits vom
Dorf gelegenes Areal, das nur mit einem Einspänner erreicht werden konnte.
Als Fazit seines sehr anschaulichen Vortrags hielt Herr Zillien fest, dass Flurnamen einen wichtigen
Teil unserer kulturellen Identität darstellen. Vielerorts sind sie durch Feldbereinigungen bedroht.
Dies ist in Ober-Flörsheim jedoch nicht der Fall, wie Dr. Helmut Schmahl in seinem Dankeswort betonte.
Der engen Kooperation des Heimat- und Kulturvereins mit den Gestaltern der momentanen Feldbereinigung
ist es zu verdanken, dass fast alle Flurnamen auch in Zukunft amtlich dokumentiert sein werden.
Mit guten Gesprächen bei Gebäck und Wein klang der Abend gemütlich aus.
10 Jahre Heimat- und Kulturverein Ober-Flörsheim e.V.
In diesem Jahr feiert der Heimat- und Kulturverein Ober-Flörsheim sein zehnjähriges Bestehen.
Der 2001 von 15 Bürgern gegründete Verein kann auf eine stolze Bilanz zum Wohl der Gemeinde
zurück blicken. So finanzierte der 100 Mitglieder umfassende HuK im vergangenen Jahr
mit 2600 Euro die Renovierung des Sockels des Denkmals vor dem Rathaus. Im Jubiläumsjahr hat
sich der Verein ein besonderes Geschenk für die Ober-Flörsheimer ausgedacht. Er übernahm die
Kosten von rund 6800 Euro für neue Zifferblätter der stark verwitterten Rathausuhr, die
am Rosenmontag installiert wurden. Bilder finden Sie hier
Außer diesen Highlights wurde auf der diesjährigen Mitgliederversammlung auch ein Rückblick
über andere Aktivitäten des HuK gegeben. Neben Vorträger und Exkursionen hob Vorsitzender
Dr. Helmut Schmahl das Engagement von Vorstandsmitglied Horst Lutz hervor, der in Eigeninitiative
und Abstimmung mit den zuständigen Stellen das Areal am Schulweg bepflanzt hat und instand hält.
Unterstützt wird H. Lutz künftig von einem Ausschuss, dem neben ihm bisher Horst Bayer,
Dieter Blüm und Carsten Dieterich angehören. Weitere Mitwirkende sind willkommen.
Das Jubiläumsjahr wird mit einer Reihe von Veranstaltungen begangen. Am 14. April informiert
ein Vortrag über Flurnamen und ihre Bedeutung, am 21. Mai findet eine Exkursion nach Marburg
statt, die für Mitglieder kostenlos ist, und am 13. August erfolgt ein ortsgeschichtlicher
Streifzug ins benachbarte Flomborn. Am Kerbesonntag, 11. September, beteiligen sich das
Heimatmuseum und der HuK am europaweiten Tag des offenen Denkmals. Angeboten werden u. a.
Besichtigungen des spätgotischen Torturms in der Kommenturei und Vorführungen der wertvollen
Sauer-Orgel in der evangelischen Kirche. Höhepunkt des Jubiläumsjahres ist ein Festabend am
23. Oktober unter Mitwirkung des KMV und MGV. An diesem Abend wird die Jubiläumsschrift
vorgestellt, die neben einer Vereinschronik ein Ober-Flörsheimer Häuserbuch mit der
Besitzgeschichte der hiesigen Gebäude von 1800 bis heute enthalten wird.
Weiterhin stellte Schatzmeisterin Brigitte Rudy auf der Mitgliederversammlung den Kassenbericht
für 2010 vor, für den die Kassenprüfer Edeltrud Böhm und Rudolf Maier lobende Worte fanden.
Bei den Vorstandswahlen wurden Hans-Jürgen Rudy als zweiter Vorsitzender, Brigitte Rudy als
Schatzmeisterin und die Beisitzer Rudolf Breivogel, Dieter Clauß, Monika Fettermann,
Hans-Jürgen Fuldner, Adolf Gardt, Horst Lutz, Elvira Nies und Ingrid Schmahl für zwei Jahre
in ihren Ämtern bestätigt. Nach dem traditionellen Hackes-Essen klang die Veranstaltung gemütlich
mit einer Bilderschau aus. Abschließend dankte der Vorsitzende Dr. Helmut Schmahl allen
Vorstandsmitgliedern, Helfern und Gönnern des HuK für ihre vielfältige Unterstützung.
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